Prozesse · August 2026 · 5 Min Lesezeit

Welcher Prozess eignet sich als erster Schritt zur Digitalisierung?

Digitalisierung beginnt selten mit der Auswahl einer Software. Zuerst braucht es einen Prozess, dessen Ausgangslage, Beteiligte und gewünschtes Ergebnis gemeinsam verstanden werden.

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Vom allgemeinen Ziel zum konkreten Ablauf

„Wir möchten digitaler arbeiten“ ist eine nachvollziehbare Zielrichtung, aber noch kein umsetzbarer Auftrag. Ein geeigneter Startpunkt ist ein wiederkehrender Ablauf mit erkennbarem Anfang und Ergebnis – beispielsweise eine Freigabe, eine Datenerfassung oder eine regelmäßig erstellte Auswertung.

Woran sich ein geeigneter Prozess erkennen lässt

Relevant sind nicht nur Zeitaufwand und Häufigkeit. Ebenso wichtig sind Rückfragen, manuelle Übertragungen, Fehlerfolgen, beteiligte Rollen und die Frage, ob der Prozess zunächst klar abgegrenzt werden kann. Ein kleiner, gut verstandener Ablauf liefert häufig mehr Erkenntnisse als ein zu breit angelegtes Digitalisierungsprogramm.

Was eine Prozessanalyse sichtbar macht

Die Analyse beschreibt Arbeitsschritte, Daten, Entscheidungen, Ausnahmen und vorhandene Systeme. Dabei wird auch geprüft, ob das Problem tatsächlich technische Ursachen hat oder zunächst durch klarere Zuständigkeiten und Regeln gelöst werden sollte.

Welcher Nutzen daraus entsteht

Unternehmen erhalten eine gemeinsame Sicht auf den Ablauf und können Lösungswege, Abhängigkeiten und Prioritäten besser vergleichen. Das reduziert das Risiko, Funktionen zu entwickeln, die am eigentlichen Engpass vorbeigehen.

Wo die Grenzen liegen

Eine Analyse ersetzt keine Umsetzung und verspricht noch keine bestimmte Einsparung. Ihr Wert liegt in einer nachvollziehbaren Entscheidungsgrundlage: Was sollte verändert werden, was kann bleiben und welcher nächste Schritt ist wirtschaftlich vertretbar?

Ein typisches Beispiel aus dem Arbeitsalltag

Ein Auftrag wird zunächst per E-Mail angenommen, anschließend in eine Tabelle übertragen und später für eine Freigabe erneut zusammengefasst. Jede einzelne Tätigkeit wirkt überschaubar. In der Summe entstehen jedoch Rückfragen, doppelte Pflege und Unsicherheit über den aktuellen Stand. Die Analyse betrachtet deshalb nicht nur den sichtbaren Zeitaufwand, sondern den gesamten Weg der Information.

Dabei kann sich zeigen, dass nicht jeder Schritt digitalisiert werden muss. Vielleicht fehlt lediglich eine verbindliche Eingabe, eine klare Zuständigkeit oder eine gemeinsame Datenquelle. Eine gute Analyse lässt diese Möglichkeit ausdrücklich offen und macht Technik nicht zum Selbstzweck.

Wie die Bestandsaufnahme praktisch abläuft

Zu Beginn wird der Prozess mit den Personen besprochen, die ihn tatsächlich bearbeiten. Neben dem vorgesehenen Standardablauf sind besonders Abweichungen interessant: Welche Angaben fehlen regelmäßig? Wo wird telefonisch nachgefragt? Welche Entscheidung kann nur eine bestimmte Person treffen? Welche Daten werden aus einem anderen System übernommen?

Aus diesen Informationen entsteht ein verständliches Prozessbild. Es zeigt Rollen, Arbeitsschritte, Übergaben, verwendete Werkzeuge und bekannte Sonderfälle. Anschließend werden Problemstellen nicht nur gesammelt, sondern nach Bedeutung, Häufigkeit, Risiko und möglicher Lösbarkeit eingeordnet.

Prioritäten statt einer langen Wunschliste

In Workshops entstehen schnell viele Verbesserungsideen. Für eine belastbare Reihenfolge werden sie getrennt betrachtet: Was ist organisatorisch lösbar? Wo hilft eine kleine Automatisierung? Welche Anforderung benötigt eine individuelle Anwendung? Und welche Abhängigkeit muss zuerst geklärt werden?

Der erste Umsetzungsschritt sollte einen erkennbaren Nutzen liefern und gleichzeitig überschaubar bleiben. So kann das Unternehmen Erfahrungen sammeln, ohne sofort einen großen Teil seiner Arbeitsweise umzustellen.

Fragen für die interne Vorbereitung

  • Wer startet den Prozess und woran ist sein Abschluss erkennbar?
  • Welche Informationen werden mehrfach erfasst oder kontrolliert?
  • Wo entstehen Wartezeiten, Rückfragen oder persönliche Abhängigkeiten?
  • Welche Sonderfälle treten tatsächlich auf?
  • Welche bestehenden Systeme oder Vorgaben müssen berücksichtigt werden?

Diese Fragen ersetzen keine Analyse, schaffen aber eine gute Grundlage für ein erstes Gespräch. Je konkreter der betrachtete Ablauf beschrieben werden kann, desto belastbarer lassen sich Aufwand und nächster Schritt einordnen.

Wie häufig entstehen in diesem Ablauf Rückfragen oder manuelle Übergaben?

seltenregelmäßig

Unverbindliche Orientierung – keine automatische Projektbewertung.